|
|
Natur pur und viele besondere Momente
Bergwandern in der Tramuntana: zum Gipfel des Puig de Massanella von Walter Bender
|
|
Einmal im Jahr, zur Wandersaison Anfang November, besuche ich auf
Mallorca meinen Sohn Markus, der zusammen mit seiner Frau Susanne in Can Picafort das Projekt samaki und den samakishop
betreibt. Dann zieht es uns in die Berge der schönen Insel. Dieses Jahr stand als erstes der Puig de Massanella (1352m), der höchste erwanderbare Berg Mallorcas, auf unserem Programm. Und diese Tour sollte wahrlich spannend werden! Bei der Fahrt zum Ausgangspunkt, kurz vor dem Kloster Lluc, zogen schon einige dunkle Wolken am November-Himmel auf. Was uns aber zunächst nicht weiter beunruhigte.
|

|
|

|
Der Einstieg zu unserer Wander-Tour war leicht zu finden. Für alle, die nachwandern möchten: an der Straße
unterhalb der letzten Tankstelle vor dem Kloster fanden wir sofort einen entsprechenden Wegweiser. Weitere allerdings vermissten wir bei unserem Aufstieg weitgehends. Dieses mussten
wir auch bei unseren anderen Touren immer wieder feststellen: Keine oder wenige Wegweiser. Ich denke, das ist auch so bewusst gewollt. Über einen Fahrweg erreichten wir dann das
Eingangstor zu Finca Coma Freda. Eine Holzleiter über die Mauer hinweg ermöglichte uns das Betreten des Anwesens. An einer Art Wachhäuschen hätten wir dann eigentlich einen Wegezoll
von 4 Euro zahlen sollen, aber es war niemand da, der kassiert hätte ....
Somit kamen wir nach einem gleichmäßigen Anstieg, vorbei an alten Steineichen und
Köhlerplätzen, zu einem Abzweig am Col de sa Linea. Ein massiver Grenzstein zeigte jetzt den weiterführenden, etwas steileren Weg eines Bergfades an. Bald eröffneten sich uns weite
Ausblicke in die Buchten von Pollenca und Alcudia. Aber auch die Wolkendecke wurde dichter. In der Ferne ergossen sich schon einige Regenschauer, das konnte man deutlich erkennen. Und wir
erreichten inzwischen die Baumgrenze und den Punkt, der uns zwei Alternativen zum Gipfel anzeigte.
|
|
Wir entschieden uns natürlich für den längeren Weg, der uns über und zwischen
Blockfelder in moderatem Anstieg zum Gipfel führte. Zahlreiche Steinmänner (von Hand aufgetürmte kleine Steine als Wegweiser), vorbei an zerfallenen Schneehäusern, zeigten uns den Weg. Je
weiter und höher wir kamen, desto heftiger blies uns ein starker, böiger Wind um die Ohren. Am Gipfel angelangt, waren wir nun rundum von dunklen Wolken umzingelt. Der Blick auf den
höchsten Berg, den Puig Major (1434m, militärisches Sperrgebiet), blieb uns leider zu diesem Zeitpunkt vergönnt. Nach einem kurzen Aufenthalt, wir hatten mit dem böigen Wind einen
ordentlichen Gleichgewichtskampf auszutragen, stiegen wir Richtung Torrent de Coma Freda ab. Dabei waren einige Kletterpassagen zu überwinden. Der jetzt auch noch einsetzende Regen -
vermischt mit einzelnen Schneeflocken (!) - erschwerte das Ganze nicht unerheblich. Die dadurch eingeschränkte Orientierung (es gab ja keine Wegweiser, wir folgten den schwachen
Trittspuren und dem eigenen Weggespür) verlangte hohe Konzentration.
|

|
|

|
Der Regen wurde stärker, die Hände immer kälter, und wir hatten ja noch nichts gegessen. Wie durch Zufall und
glücklicherweise erreichten wir eine überhängende, höhlenartige Felswand, die uns erst einmal genügend Schutz bot. Hier liessen wir uns die üppig belegten Brote von Susanne schmecken. Vom
Rastplatz aus hatten wir einen Tiefblick auf unseren weiterführenden Weg ins Tal. Dies erleichterte auch den weiteren Abstieg. Der sturmgepeitschte Regen, den wir jetzt im Rücken hatten
und der uns bis zum Col des Prat trieb, wurde zusehends stärker. Am Col fanden wir wieder einige Schneehäuser (hier sammelten die Mallorquiner Schnee, den sie im Sommer zur Kühlung von
Speisen und Getränken mit den Maultieren des nachts zu Tal beförderten). Von nun an ging es bergab, der Wind lies nach, und ein von unzähligen losen Steinen und von Rinnsalen
durchzogener Karrenweg führte uns wieder zur Finca Coma Freda zurück.
Völlig durchnässt erreichten wir nach rund 5,5 Stunden unser Auto und kamen nach einstündiger Fahrt fröstelnd
in der Wohnung meines Sohnes an. Nach einer heissen Dusche waren wir glücklich und zufrieden, zusammen diese Tour unter widrigen Wetterverhältnissen gemeistert zu haben. Das vorzügliche
Abendessen von Susanne und einige Gläser Rotwein rundeten den Tag ab.
Eine anstrengende Tour, die wir in jedem Fall noch einmal wandern möchten. Dann
aber hoffentlich bei besserem Wetter!
|
|

|

|
|
|
|
|

|

|
|
|
|
|
Bergwandern in der Tramuntana II: Auf dem Reitweg des Erzherzogs von Walter Bender
|
|
Unser nächstes Ziel war das Massiv des Teix, über den Reitweg des Erzherzogs Johann
Salvator. Ausgangspunkt unserer Tour war Valdemossa, einer der schönsten Flecken der Insel. Direkt neben dem Tor der Finca Can Massana führte ein schmaler Pfad auf einen hinter
der Einfriedung beginnenden ausgewaschenen Karrenweg. Und an diesem Tag hatten wir besonderes Glück. Das Wetter war bis auf ein paar Wölkchen sonnig, aber immer noch windig.
Am Anfang ging es durch Kiefernwald, vorbei an ehemaligen Köhlerplätzen, sanft
ansteigend zu einem alten Brunnen. Wir waren inzwischen auf dem Reitweg des Erzherzogs, der sich serpentinenartig durch alte Steineichen nach oben schlängelt, angelangt. Wie viele
Arbeiter mögen wohl zur damaligen Zeit in schwerster Handarbeit diesen Weg angelegt haben? Wir haben uns so unsere Gedanken gemacht!
|

|
|

|
Nach einigen tollen Ausblicken ins Tal von Valdemossa und zur Küste trafen wir auf
einen mit eingestürzten Mauern umfriedeten Aussichtspunkt, Mirador genannt Es gab noch mehrere dieser etwas abseits vom Weg gelegenen Miradore. Sie fielen meist senkrecht nach unten ab.
Es eröffneten sich fantastische Tiefblicke zum Meer und auf die Anwesen der Wohlhabenden. Wir wanderten weiter an bemoosten und von Flechten behangenden Bäumen vorbei zur Schutzhütte
(ohne Dach) auf dem Veia (869m). Von hier aus taten sich die beiden höchsten Gipfel, der Puig Major und der Puig de Massanella (den wir ja zuvor bestiegen hatten), auf. Nach einem kurzen
Abstieg auf 762m begann dann die schönste Passage des Reitwegs. Wir bewegten uns auf einem Grat der nach einer Seite an einigen Stellen nahe an die steilen Abbruchkanten heran führte. Die
gewaltigen Tiefblicke erzeugte in uns schon ein gewisses Kribbeln.
|
|
Auf dem weiteren Weg gab es immer wieder
dieses "Miradors". Einer dieser Aussichtspunkte ist auch zugleich die höchste Erhebung (944m) des Reitwegs. An einer windgeschützten Stelle hinter Felsen ließen wir uns die
wieder von Susanne mit viel Liebe zubereiteten Baquettes schmecken. Dann kamen wir an die Stelle, wo wir vom Reitweg abzweigten. Denn der Gipfel des Teix war ja eingeplant. Zunächst
mußten wir eine Kletterstelle überwinden, bis wir plötzlich vor einer hohen Trockenmauer standen. Ich dachte schon, wir wären an der Chinesischen angelangt!? Sie war aber mit einer
Hochleiter zu überwinden, die jedoch vom Eigentümer im oberen Bereich mit einer Eisentür und Vorhängeschloss verriegelt war. Weitere Verbotshinweise auf Privatbesitz waren
überdeutlich angebracht. Aber es gab ja nur diesen Weg zum Massiv des Teix und er war auch so in den einschlägigen Führern beschrieben. Was tun? Kurzerhand überstiegen wir das Hindernis und gelangten auf ausgetreten (!) Pfaden zum Mittelgipfel des Teix (1164m), dem höchsten Punkt des Massivs. Vor hier
genossen wir eine umfassende Rundsicht über die Tramuntana bis hin in die Ebene um Palma.
|

|
|

|
Zurück wieder auf dem Reitweg angelangt, ging es durch das tief eingeschnittene
Cairats-Tal in recht steilem Abstieg nach Valdemossa. Dabei kamen wir an mehreren Köhlerplätzen und Schneegruben vorbei. Ein wunderschönes Tal, das auch von Valdemossa aus gut zu gehen
ist, da ein breiter Fahrweg bis zu der Refugi de Cairats (750m) an einer eingefassten Quelle führt, die zum verweilen einlädt. Nach 6 Stunden Wanderung ließen wir uns in Valdemossa
bei einer Tasse Kaffee ein Stück Quarkkuchen schmecken. Wir waren uns einig, eine der schönsten Touren der Insel gemeinsam erlebt zu haben. Vor allem hat auch dieses Mal das Wetter
mitgespielt.
|
|

|

|
|
|
|
|

|

|
|
|
|
|
|
|
Bergwandern in der Tramuntana III: Alpintour zum Tormir von Walter Bender
|
|

|
Am letzten Tag meines Urlaubs auf Mallorca wollte ich mit meinem Sohn Markus, der
schon früher gerne mit mir geklettert ist, eine der schwierigsten Touren in der Tramuntana starten! Wir hatten herrliches Herbstwetter, dabei kaum Wind, und leichte Kleidung war somit
angesagt. Und es fing allerdings gleich mit einem Handikap an. Unsere Einstiegsstelle an der Strasse Lluc-Pollenca war schon am Abzweig zum Kloster wegen eines Autorennens gesperrt.
Also marschierten wir kurz entschlossen, ohne Behinderung durch die Funktionäre (!) rund 2 km auf der Rennstrecke den entgegen kommenden Autos ausweichend, zum Ausgangspunkt. Dabei
brachten wir noch die Zeitmessanlage durcheinander, in dem wir ohne Absicht die Lichtschranke an der Ziellinie durchschritten!
|
|
Am Einstieg ging es auf einer schmalen Teerstrasse an der Finca Menut vorbei nach
Binifaldo bis zur Mineralwasser-Abüllanlage direkt an der Quelle. Neben dem Haupttor führte ein schmaler Pfad zunächst in eine Schutthalde. Danach ging es am Fusse eines steilen
Felshanges über kleine Trittstufen an eine mit Stahlseilen gesicherte Felsrinne. Ein Stück weiter mußten wir eine etwas längere Kletterpassage überwinden. Da der Fels fest und griffig war
gab es keine großen Probleme.
|

|
|

|
Immer wieder zwangen uns die Blicke zurück auf die massiven Bergstücke des Puig Major und Puig de Masanella.
Besonders durch die etwas tiefer stehende Herbstsonne ergaben sich fantastische Schattierungen in den Felsabbrüchen. Weiter ging es dann sanft bergauf bis auf einen Sattel. Ab hier
hieß es wieder zwischen und über Blockstufen, dabei auf Steinmännchen zu achten, den Weiterweg zu suchen. Es ging fast weglos um einen Vorgipfel herum leicht ansteigend, zuletzt
am Grat entlang zum Gipfel des Tomir (1103m).
Diesmal ohne Wind und in der warmen Sonne, ließen wir uns unser verdientes
lecker zubereitetes Mittagsbrot schmecken. Die Aussicht in die Buchten von Pollenca und Alcudia sowie in die Ebenen um Muro war doch sehr diesig. Dafür hatten wir jedoch die
westlichen Höhenzüge der Tramuntana klar im Blick. Das einzige, was uns stöte, war das Knattern der Motoren der Rennwagen.
|
|
Ein Abstecher zu den etwas tiefer gelegenen umfangreichen Schneehäusern war schon sehr interessant, denn von
dort war auch der Zugang über einen teilweise noch bestehenden leichteren Weg vom Osthang möglich.
Wir stiegen aber wieder über die gleiche Route ab, wobei der Abstieg
eigentlich der gefährlichere war. Man hat schon sehr genau auf loses Gestein und Geröll achten müssen, und jeder Tritt muss sitzen. Zuletzt den leicht abfallenden Teerweg, der
links und rechts von bizarren Blockfelsen gesäumt war, zur Strasse. Hier heulten immer noch die Motoren. Wir fanden aber einen steinigen Weg abseits der "Rennstrecke", der
uns durch dichten Kiefernwald direkt zum Kloster Lluc führte. Somit waren wir nach 4,5 Sunden wieder an unserem Auto, just in dem Augenblick wurde auch die Strassensperre
aufgehoben. über Pollenca fuhren wir dann zurück nach Son Serra, wo es zum Kaffee Zwetschenkuchen gab. Von der Terasse blickten wir zufrieden auf die Massive des Puig de Masanelle
und des Tomir, die wir zusammen bestiegen hatten. Ich war erstaunt und erfreut über die gute Kondition, die Markus an den Tag legte, sowie über die Harmonie unsererseits. Wenn
die Gesundheit mitspielt, wolle wir noch des öfteren zusammen bergwandern.
|
|
|

|

|
|
|
|
|

|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|